„Und nun, unser Gott, höre das Gebet Deines Knechtes und sein Flehen, und siehe gnädig an Dein Heiligtum, das verstört ist, um des Herrn willen.“ Dan. 9,17.
Der aufrichtige Mensch lebt nicht sich selbst. Daniel liebte sein Land inbrünstig. Er hatte sich persönlich treu erwiesen, und infolgedessen war er geehrt worden, aber seine persönliche Stellung und Ruhe stellten ihn nicht zufrieden. Er hatte geforscht und studiert, aber nun betete Gebet und Flehen sollten immer das Ergebnis unserer Betrachtung sein. Sein Gebet ist sehr lehrreich für uns. Es legt uns nahe unser brünstiges Bitten für die Gemeinde Gottes in diesen Tagen.
Der Tempel war vorbildlich, und zu unserer Erbauung wollen wir den Text so lesen, als ob das geistliche Haus gemeint wäre. In dem Vorbild sind viele Punkte der Beachtung wert, aber die folgenden mögen genügen. Der Tempel war:
Sein Wort ging aus von Jerusalem; dort regiert Er sein Volk und unterwirft seine Feinde.
Die Gemeinde Jesu Christi wird in den letzten Tagen die genaue Antitype des Tempels sein, wie die Gemeinde gegenwärtig die Antitype der Stiftshütte in der Wüste ist.
Als sich in den unruhigen Zeiten Schottlands der päpstliche Hof und die Aristokratie wappneten, um die Reformation im Lande zu unterdrücken, und als die Sache des protestantischen Christentums in großer Gefahr schwebte, konnte man sehen, wie John Knox spät abends sein Studierzimmer und das Haus verließ und in den angrenzenden Garten ging. Ihm folgte ein Freund, der ihn beobachtete. Nach einigen Augenblicken wurde seine Stimme im Gebet laut. Bald vertieften sich die Seufzer in verständlichen Worten und der kämpfenden Seele entrang sich die ernste Bitte, die zum Himmel aufstieg: „O Herr, gib mir Schottland, oder ich sterbe!“ Dann trat eine Panse ein und wieder wurde die Bitte laut: „O Herr, gib mir Schottland, oder ich sterbe!“ Und wieder wurde alles still, bis mit noch innigerem Nachdruck die zum dritten Mal wiederholte Fürbitte sich Bahn brach: „O Herr, gib mir Schottland, oder ich sterbe!“ Und Gott gab ihm Schottland trotz der Marie und ihres Kardinals Beatoun; ein Land und eine Kirche von edler Treue gegen Christum und seine Krone.
„ Zur Zeit, als der Reichstag in Nürnberg abgehalten wurde,“ erzählt Tholuck, „befand sich Luther in seiner Wohnung in ernstem Gebet, und zu derselben Stunde, als das Edikt, welches allen Protestanten völlige Duldung gewährte, herausgegeben wurde, stand Luther von seinen Knien auf, lief aus seinem Hause und rief aus: „Wir haben den Sieg errungen!“„
Die Gemeinde mag krank sein und doch nicht sterben. Sterben kann sie nicht, denn das Blut eines ewigen Königs hat sie erkauft, die Kraft eines ewigen Geistes bewahrt sie, und die Barmherzigkeit eines ewigen Gottes wird sie krönen. Thomas Adams.
Das Gebet war unter dem heidnischen Volk von Samoa eine allgemeine Gewohnheit, und in ihrer Auffassung vom Gebet offenbarten sie ein beachtenswertes Verständnis. Wenn sie sich z. B. auf ihren Bootfahrten befanden, erwarteten sie von denen, welche als Passagiere in den Booten waren, dass diese für die beteten, welche zu rudern hatten. Die Passagiere pflegten wiederholt den Ruderern in folgenden Worten zu danken: „Dank euch für eure kräftigen Ruderschläge;“ worauf dann die Ruderer unmittelbar die Antwort gaben: „Euch Dank für eure fürbittenden Gebete,“ damit offenbar anerkennend das Prinzip, dass ihre Kraft, die Ruder zu führen, von den Gebeten der Passagiere abhängig war. Der Kongregationalist.